Ausbildung in der Berufsschule

In der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bzw. zum Einzelhandelskaufmann bildet die Berufsschule eine der beiden wichtigsten Säulen. Hier erwerben Sie alle wichtigen theoretischen Kenntnisse für Ihren späteren Beruf.

Was genau ist eine Berufsschule?

Berufsschulen gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Alle Auszubildenden aus den verschiedensten Berufszweigen werden in Berufsschulen unterrichtet. Die zu vermittelnden Lehrinhalte in der Berufsschule werden durch die verschiedenen Rahmenlehrpläne der Ausbildungsberufe geregelt.


Die Berufsschule ist einer der beiden großen Eckpunkte der dualen Ausbildung. Während die betriebliche Ausbildung dem Auszubildenden die praktischen Fähigkeiten für den späteren Beruf näher bringt, ist es die Aufgabe der Berufsschule, die Allgemeinbildung und die jeweils spezifische fachliche Bildung zu lehren.

Berufsschule als Teil des Dualen Systems

Auszubildende werden in Deutschland also an mindestens 2 verschiedenen Orten ausgebildet -  der Berufsschule und dem zuständigen Betrieb. Zu den allgemeinbildenden Fächern an einer Berufsschule gehören z. B. Deutsch, Politik oder Mathematik. Die fachspezifischen Fächer richten sich nach der jeweiligen Ausbildung.

Der andere Teil der Ausbildung wird in dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb durchgeführt. Hier werden die praktischen Aspekte des Berufs erlernt. Manche Berufsschulen besitzen jedoch sogenannte Lehrwerkstätten mit Praxisunterricht. Auf diese Weise werden auch innerhalb der Berufsschule praktische Erfahrungen gesammelt.

Am Beispiel der Ludwig-Erhard-Schule Fürth können Sie sich ein Bild von der Fächerkombination in der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bzw. zum Einzelhandelskaufmann machen. In dieser Schule wird gegenwärtig angeboten:


Pflichtunterricht bzw. allgemeinbildender Unterricht:

  • Religionslehre
  • Deutsch
  • Sozialkunde
  • Sport

Fachlicher Unterricht:

  • Englisch
  • Einzelhandelsprozesse (EHP)
  • Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (KSK)
  • Kundenorientiertes Verkaufen (KV)

Unterrichtszeit in der Berufsschule

Normalerweise hat jeder Auszubildende ein bis zwei Berufsschultage mit wöchentlich 8 bis 12 Unterrichtsstunden.

Die genaue Anzahl der Stunden hängt letztlich vom angestrebten Beruf und dem Ausbildungsjahr ab. Auch besteht in manchen Ausbildungsberufen die Möglichkeit, die Unterrichtszeit zu mehrwöchigen Unterrichtsblöcken zusammenzufassen. Diese Form des Blockunterrichts wird häufig bei Berufen mit einer relativ niedrigen Anzahl an Auszubildenden angewandt. Beispiele für solche Ausbildungsberufe sind Berufe des öffentlichen Diensts, wie Fachangestellte für Arbeitsförderung oder Verwaltungsfachangestellte.

Die übrige Ausbildungszeit, und das ist der überwiegende Teil, verbringt der Auszubildende im Betrieb. Hier werden alle zu erlernenden Kenntnisse nicht vom Rahmenlehrplan der Berufsschule, sondern vom Ausbildungsrahmenplan vorgegeben. Diese Inhalte des Ausbildungsrahmenplans werden in der Regel schon mit dem Abschluss des Ausbildungsvertrages vereinbart.

Abschluss an der Berufsschule

Die Ausbildung an einer Berufsschule endet mit einer spezifischen Abschlussprüfung, die von einer zuständigen Stelle durchgeführt wird. Diese Stelle variiert von Ausbildung zu Ausbildung. Es gibt in Deutschland z. B. die Handwerkskammern (HWK), die Rechtsanwaltskammern oder die Verwaltungsschulen, auch „Studieninstitut“ genannt. Für die Berufsausbildung zur Einzelhandelskauffrau bzw. zum Einzelhandelskaufmann ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) verantwortlich.
Jede erfolgreich abgeschlossene Prüfung an einer Berufsschule wird in Deutschland mit einem jeweiligen Zeugnis belegt. Je nach Ausbildungsart werden auch hier verschiedene „Zeugnisformen“ ausgehändigt: Es gibt die Gesellenbriefe im handwerklichen Bereich, die Facharbeiterbriefe in den technischen Berufen und schließlich das IHK-Prüfungszeugnis in den kaufmännischen Berufen wie im Fall der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bzw. zum Einzelhandelskaufmann.

Dauer und Pflichten während der Ausbildung an einer Berufsschule

In Deutschland beträgt die Dauer der Ausbildung normalerweise zwischen 2 und 3,5 Jahren, abhängig von der jeweiligen Berufsausbildung. Unter bestimmten Umständen kann die Ausbildungsdauer auch verkürzt werden. Hauptkriterien dafür sind der vorher erlangte schulische Abschluss, und in den meisten Fällen der Nachweis von praktischer Erfahrung in dem angestrebten Beruf.

Alle Auszubildenden sind verpflichtet, am Unterricht der Berufsschule teilzunehmen. Nur auf diese Weise ist gewährleistet, dass am Ende der Ausbildung ein Abschlusszeugnis ausgehändigt werden kann. Aus diesem Grund ist der Ausbilder auch dazu verpflichtet, seinen Auszubildenden zum Besuch der Berufsschule anzuhalten.

Wer einen erfolgreichen Abschluss an einer Berufsschule absolviert hat, besitzt in aller Regel die Voraussetzung, auf Wunsch eine weiterführende Schulform zu besuchen. Im Einzelfall regelt dies jedoch jedes Bundesland für sich. Schließlich werden die Berufsschulen von den jeweiligen Schulaufsichtbehörden beaufsichtigt und unterstehen immer den Schulgesetzen des spezifischen Bundeslandes.

Aufgaben und Ziele einer Berufsschule nach dem KMK-Beschluss

Innerhalb des Rahmenbeschlusses der ständigen Konferenz der Kultusminister und –senatoren der Länder (kurz KMK) hat die Berufsschule ganz bestimmte Aufgaben zu erfüllen, die wir Ihnen im Folgenden noch einmal aufzeigen möchten:
Nach dem Beschluss der KMK vom 15.03.1991 hat die Berufsschule als Rahmenvereinbarung zum Ziel:

  • eine Berufsfähigkeit zu vermitteln, die Fachkompetenz mit allgemeinen Fähigkeiten humaner und sozialer Art verbindet;
  • berufliche Flexibilität zur Bewältigung der sich wandelnden Anforderungen in Arbeitswelt und Gesellschaft auch im Hinblick auf das Zusammenwachsen Europas zu entwickeln;
  • die Bereitschaft zur beruflichen Fort- und Weiterbildung zu wecken;
  • die Fähigkeit und Bereitschaft zu fördern, bei der individuellen Lebensgestaltung und im öffentlichen Leben verantwortungsbewusst zu handeln.

Zur Erreichung dieser Ziele muss die Berufsschule:

  • den Unterricht an einer für ihre Aufgabe spezifischen Pädagogik ausrichten, die Handlungsorientierung betont;
  • unter Berücksichtigung notwendiger beruflicher Spezialisierung berufs- und berufsfeldübergreifende Qualifikationen vermitteln;
  • ein differenziertes und flexibles Bildungsangebot gewährleisten, um unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen sowie den jeweiligen Erfordernissen der Arbeitswelt und Gesellschaft gerecht zu werden;
  • im Rahmen ihrer Möglichkeiten Behinderte und Benachteiligte umfassend stützen und fördern;
  • auf die mit Berufsausübung und privater Lebensführung verbundenen Umweltbedrohungen und Unfallgefahren hinweisen und Möglichkeiten zu ihrer Vermeidung bzw. Verminderung aufzeigen.

Die Berufsschule soll darüber hinaus im allgemeinen Unterricht und soweit es im Rahmen berufsbezogenen Unterrichts möglich ist, auf Kernprobleme unserer Zeit wie z. B.:

  • Arbeit und Arbeitslosigkeit,
  • friedliches Zusammenleben von Menschen, Völkern und Kulturen in einer Welt unter Wahrung kultureller Identität,
  • Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlage, und schließlich
  • Gewährleistung der Menschenrechte eingehen.