Die Ausbildungsvergütung im Einzelhandel

Die Ausbildungsvergütung im Einzelhandel kann derzeit noch als relativ gut bezeichnet werden. In vielen anderen Berufsausbildungen wird schlechter gezahlt. Dabei können viele Ausbildungsvergütungen im ersten Jahr noch nicht einmal ein Existenzminimum sichern.

Was ist die Ausbildungsvergütung eigentlich?

Jeder Auszubildende im Einzelhandel bekommt während seiner Ausbildungszeit in der dualen Berufsausbildung eine monatliche Bezahlung, auch Ausbildungsvergütung genannt. Rechtlich gesehen handelt es sich bei dieser Vergütung weder um einen Lohn, noch um ein reguläres Gehalt. Vielmehr sollen damit nur die Kosten eines Azubis abgedeckt werden, inklusive eines recht überschaubaren Taschengeldes, das hier in die Vergütung mit einfließt.

Steuerrechtlich betrachtet muss kein Auszubildender Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge zahlen, wenn seine Ausbildungsvergütung unter dem Freibetrag von 400 Euro liegt.

In manchen Brachen ist es üblich, dass den Auszubildenden zu der Ausbildungsvergütung noch ein Zuschlag für eine erfolgreich absolvierte Zwischenprüfung ausgezahlt wird. In aller Regel wird die Vergütung am letzten Arbeitstag eines Monats ausgezahlt.
In den meisten Fällen wird die Ausbildungsvergütung zudem tariflich geregelt.

Momentane Ausbildungsvergütung im Einzelhandel

Die Ausbildungsvergütung für Auszubildende im Einzelhandel gehört im Vergleich zu allen anderen Ausbildungsvergütungen zu den besser geregelten in Deutschland. Angehende Einzelhandelskauffrauen und Einzelhandelskaufmänner verdienen im Vergleich zu den meisten anderen Ausbildungsberufen mehr. Nur die Ausbildungsberufe im Industriebereich werden in aller Regel noch ein gutes Stück besser vergütet.

Für das Bundesland NRW gelten tariflich geregelte Sätze, die folgendermaßen aussehen:

Vergütung nach Tarifvertrag Einzelhandel NRW (einschließlich Bürokaufleute)

Gültig ab 01.09.2009
1. Jahr € 635,00
2. Jahr € 706,00
3. Jahr € 807,00
4. Jahr € 861,00

Gültig ab 01.09.2010
1. Jahr € 645,00
2. Jahr € 717,00
3. Jahr € 820,00
4. Jahr € 874,00

Stand: 03.05.2010 (Alle Angaben zur Vergütung ohne Gewähr)

Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung im Durchschnitt?

Wie bereits erwähnt, ist die Höhe der Vergütung normalerweise durch Tarifverträge festgesetzt. Je nach Beruf und dem einzelnen Bundesland variiert die Höhe der Ausbildungsvergütung. Laut § 17 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) muss die Vergütung mit den Ausbildungsjahren steigen.
Um ein Beispiel für die zum Teil sehr unterschiedlichen Ausbildungsvergütungen zu geben: Ein Azubi in einem Friseurbetrieb bekommt in den ostdeutschen Bundesländern im ersten Jahr ca. 206 Euro pro Monat. Im Vergleich dazu bekommt ein Azubi im Bereich Chirurgiemechanik in den alten Bundesländern schon im ersten Ausbildungsjahr ungefähr 800 Euro.

Probleme mit der Ausbildungsvergütung

Insgesamt betrachtet werden viele Ausbildungen relativ schlecht vergütet, was nicht selten auch ein Gegenstand politischer Diskussionen ist. Mit einem Monatseinkommen von 206 Euro im Monat ist ein eigener Haushalt schlichtweg nicht zu führen.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Bereitschaft mancher Betriebe, überhaupt Ausbildungen anzubieten. Bis heute gibt es eine Vielzahl an Betrieben, die nicht ausbilden. Sicherlich sind einige davon auch nicht in der Lage Ausbildungsplätze anzubieten.

Viele Betriebe sehen das Niveau der Ausbildungsvergütungen als Grund für die Zurückhaltung bei den Ausbildungsplätzen an.