Was ist ein Rahmenlehrplan?

Der Rahmenlehrplan ist eine relativ offen gehaltene Vereinbarung, die die Ziele und Inhalte des Unterrichtes Ihrer Ausbildung an der Berufsschule organisiert.  Dieser Rahmenlehrplan variiert von Ausbildung zu Ausbildung zum Teil sehr stark.

Ein Rahmenlehrplan stellt einen Lehrplan dar, der die Lernziele und Lerninhalte Ihrer Berufsausbildung definiert. Diese Lerninhalte beziehen sich dabei auf den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und sind damit vom Ausbildungsrahmenplan strikt zu trennen.


Der Ausbildungsrahmenplan beschreibt im Unterschied zum Rahmenlehrplan die Kenntnisse und Fähigkeiten, die Sie während Ihrer Ausbildung in einem Betrieb erlernen sollen. Er deckt somit den praktischen Teil Ihrer Ausbildung ab. Rahmenlehrplan und Ausbildungsrahmenplan sind ihrerseits Teil der von Fachverbänden, Organisationen der Arbeitgeber, Gewerkschaften und dem Bundesinstitut für Berufsbildung erstellten Ausbildungsordnung.

Der Rahmenlehrplan ist nicht darauf ausgelegt, den gesamten Unterricht vorzugeben.  Aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen und Ausbildungsniveaus, die die Auszubildenden mitbringen, ist der Rahmenlehrplan bewusst allgemein und offen gehalten. Er ist so organisiert, dass bestimmte Lernfelder existieren.

Allgemein baut der Rahmenlehrplan auf dem erfolgreichen Abschluss der Hauptschule auf. Darüber hinaus sind jedoch keine besonderen Voraussetzungen für die Berufsausbildung darin ausformuliert.

Kernpunkte eines Rahmenlehrplans

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein Rahmenlehrplan inhaltlich folgende Themen absteckt:

1)    Vorbemerkungen zum Rahmenlehrplan. Hier werden im weiteren Fragen zum Ursprung, zu den Bedingungen und den etwaigen Zielsetzungen geklärt.
2)    Den Bildungsauftrag der Berufsschule definieren. Konkret heißt dies, dass die Fragen nach der Rolle und den Zielen der Berufsschule beantwortet werden. Auch über die Rechte und Pflichten einer Berufsschule wird informiert.
3)    Die didaktischen Leitlinien auflisten. Fragen nach den Orientierungspunkten für den Unterricht werden hier beantwortet.
4)    Berufsbezogene Vorbemerkungen werden behandelt. D. h., dass hier die verschiedenen Tätigkeitsfelder im Ausbildungsberuf vorgestellt und erläutert werden.
5)    Die verschiedenen Lernfelder werden vorgestellt und bestimmt. Fragen nach den Zielen und Inhalten der Lernfelder werden erklärt, sowie deren Reihenfolge während der Ausbildungszeit vorgegeben.

Der Rahmenlehrplan definiert Lernfelder

Diese Lernfelder sind didaktische Organisationseinheiten, die speziell für den Berufsschulunterricht konzipiert worden sind. Dieses von der Kultusministerkonferenz beschlossene Lernfeldkonzept soll die klassische Fächeraufteilung aufheben und dadurch mehr Einheitlichkeit erzeugen. In einem Ausbildungsbetrieb werden solche Lernfelder übrigens auch Handlungsfelder genannt.

Mit einem solchen im Rahmenlehrplan eingebrachten Lernfeldkonzept lassen sich die individuellen Bedürfnisse der Berufsschulen bestens regeln. Alle Regelungen diesbezüglich finden in den einzelnen Bundesländern statt. In jedem Land wird der Rahmenlehrplan so in verschiedene einzelne Lehrpläne umgesetzt.

Weil diese Umsetzung des Rahmenlehrplans in konkrete Lehrpläne auf Ebene der Bundesländer geschieht, existieren in Deutschland mehrere verschiedene Lehrpläne für einen Ausbildungsberuf.

Lernfelder bei der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau/zum Einzelhandelkaufmann

Im Folgenden sehen Sie die spezifischen Lernfelder, die Sie in der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau/zum Einzelhandelskaufmann durcharbeiten werden. Im 1. Ausbildungsjahr bilden Sie sich in diesen Lernfeldern aus:

  • 1 Das Einzelhandelsunternehmen repräsentieren: 80 Std.
  • 2 Verkaufsgespräche kundenorientiert führen: 80 Std.
  • 3 Kunden im Servicebereich Kasse betreuen: 80 Std.
  • 4 Waren präsentieren: 40 Std.
  • 5 Werben und den Verkauf fördern: 40 Std.

Das 2. Ausbildungsjahr beinhaltet:

  • 6 Waren beschaffen: 60 Std.
  • 7 Waren annehmen, lagern und pflegen: 60 Std.
  • 8 Geschäftsprozesse erfassen und kontrollieren: 60 Std.
  • 9 Preispolitische Maßnahmen vorbereiten und durchführen: 40 Std.
  • 10 Besondere Verkaufssituationen bewältigen: 60 Std.

Im 3. und letzten Jahr der Ausbildung sind es folgende Lernfelder:

  • 11 Geschäftsprozesse erfolgsorientiert steuern: 80 Std.
  • 12 Mit Marketingkonzepten Kunden gewinnen und binden: 60 Std.
  • 13 Personaleinsatz planen und Mitarbeiter führen: 60 Std.
  • 14 Ein Einzelhandelsunternehmen leiten und entwickeln: 80 Std.

Insgesamt fallen bei der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bzw. zum Einzelhandelskaufmann 880 Ausbildungsstunden an. Dabei gehen 320 Stunden auf das 1. Jahr, 280 auf das 2. und 280 Stunden auf das letzte Ausbildungsjahr.

Zu den einzelnen Lernfeldern gibt es noch einmal Unterkategorien, die den Ausbildungsinhalt weiter differenzieren. Wer als zukünftige Einzelhandelskauffrau wissen möchte, was genau sie während der Ausbildung an der Berufsschule inhaltlich erlernen soll, sollte auf jeden Fall einen Blick auf diese Übersicht werfen.

Lernfeld 1: Das Einzelhandelsunternehmen

Inhalte:
Arbeits- und Lerntechniken
Einfacher Wirtschaftskreislauf
Aufgaben und Gliederung des Einzelhandels
Arbeitssicherheit und Umweltschutz
Betriebsorganisation und Arbeitsabläufe
Ausbildungsvertrag
Jugendarbeitsschutz
Nachhaltigkeit
Präsentationstechniken

Lernfeld 2: Verkaufsgespräche kundenorientiert führen

Inhalte:
Warenvorlage
Beratendes Verkaufen
Preis-Leistungs-Beziehung
Ergänzungsangebote
Fremdsprachliche Fachausdrücke
Typische fremdsprachliche Redewendungen

Lernfeld 3: Kunden im Servicebereich Kasse betreuen

Inhalte:
Rechts- und Geschäftsfähigkeit
Nichtigkeit und Anfechtbarkeit
Verpflichtungs- und Erfüllungsgeschäft
Vertragsfreiheit
Dreisatz, Prozent- und Durchschnittsrechnung

Lernfeld 4: Waren präsentieren

Inhalte:
Ladengestaltung
Visual Merchandising
Kundenlaufstudien
Warenträger
Regalzonen
Warenkennzeichnung
Preisauszeichnung
Schaufenster

Lernfeld 5: Werben und den Verkauf fördern

Inhalte:
Werbeträger
Kooperative Formen der Werbung
Direktwerbung
UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb)
Verpackungsverordnung
Teamarbeit

Lernfeld 6: Waren beschaffen

Inhalte:
Mengen- Zeit- und Preisplanung
Kooperationsformen im Einkauf
Anfrage, Angebot, Bestellung
Bezugskalkulation
Angebotsvergleich
Warenwirtschaftssystem

Lernfeld 7: Waren annehmen, lagern und pflegen

Inhalte:
Sachmangel
Mängelrüge
Lieferungsverzug
Mindestbestand, Meldebestand
Umschlagshäufigkeit, Lagerdauer
Inventur, Inventar
Lagerorganisation
Lager- und Transportvorschriften, Sicherheit im Lager
Warenpflege

Lernfeld 8: Geschäftsprozesse erfassen und kontrollieren

Inhalte:
Geschäftsfälle
Bilanz
Gewinn- und Verlustrechnung
Warenwirtschaftssystem
Statistiken
Wareneinsatz, Rohgewinn, Umsatzkennziffern

Lernfeld 9: Preispolitische Maßnahmen vorbereiten und durchführen

Inhalte:
Preisangabeverordnung
Vorwärtskalkulation
Rückwärtskalkulation
Kalkulationsfaktor
Kalkulationszuschlag, Kalkulationsabschlag
Handelsspanne

Lernfeld 10: Besondere Verkaufssituationen bewältigen

Inhalte:
Kundenverhalten
Verkaufen bei Hochbetrieb
Kunden in Begleitung
Verkaufen kurz vor Ladenschluss
Geschenk- und Besorgungskauf
Gewährleistung, Garantie, Produkthaftung
Kulanz
Ladendiebstahl
Verkaufsstörungen
Finanzierungskauf
Konfliktlösungsverhalten

Lernfeld 11: Geschäftsprozesse erfolgsorientiert steuern

Inhalte:
Wareneinkauf, Warenverkauf
Umsatzsteuer
Abschreibungen
Kostenarten, Kostenstellen, Verteilungsrechnen
Externe Kosten
Nachkalkulation
Rentabilitätskennziffern, Wirtschaftlichkeit
Warenwirtschaftssystem
Auswirkungen auf den einfachen Wirtschaftskreislauf

Lernfeld 12: Mit Marketingkonzepten Kunden gewinnen und binden

Inhalte:
Marketing-Mix
Kundenbeziehungsmanagement (Customer Relationship Management)
E-Business
E-Commerce

Lernfeld 13: Personaleinsatz planen und Mitarbeiter führen

Inhalte:
Gesprächsführung
Umgang mit Konflikten
Personalentwicklung
Datenschutz
Begründung, Betreuung und Beendigung von Arbeitsverhältnissen

Lernfeld 14: Ein Einzelhandelsunternehmen leiten und entwickeln

Inhalte:
Firma, Handelsregister
Einzelunternehmung, KG, GmbH
Franchising
Lieferantenkredit, Kontokorrentkredit, Darlehen
Einfacher Eigentumsvorbehalt, Bürgschaft, Sicherungsübereignung
Gerichtliches Mahnwesen
Insolvenz

Wer beschließt den Rahmenlehrplan?

Während ein Ausbildungsrahmenlehrplan immer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie beschlossen wird, werden Rahmenlehrpläne von der ständigen Konferenz der Kultusminister und –senatoren der Länder (kurz KMK) verordnet. Die KMK ist ein freiwilliger Zusammenschluss der für Bildung, Erziehung und Forschung zuständigen Minister bzw. Senatoren der einzelnen Bundesländer. Darüber hinaus werden viele kulturelle Angelegenheiten von dieser Vereinigung verwaltet.

Trotz der unterschiedlichen Schwerpunktsetzung werden beide Lehrplanformen gemeinsam veröffentlicht. Im Bundesanzeiger (eines der Amtsblätter der deutschen Bundesbehörden) geschieht dies beispielsweise regelmäßig. Alle diese Lehrplanformen sind auch frei zugänglich und am besten über die zuständigen Internetseiten abrufbar.
Der Rahmenlehrplan (PDF 88 KB) zum Download steht hier ebenfalls in vollständiger Form für Sie bereit.