Die Ausbildungsordnung im Einzelhandel

Jeder der eine Berufsausbildung im Einzelhandel startet, bildet sich gemäß der Ausbildungsordnung im Einzelhandel aus. Darin sind alle wichtigen Regelungen festgehalten, die für Ihre Ausbildung von Relevanz sind.

Was ist eine Ausbildungsordnung?

Die Ausbildungsordnung regelt die Modalitäten für die betriebliche Ausbildung im Rahmen einer dualen Berufsausbildung. Die gesetzliche Grundlage für jede Ausbildungsordnung stellt dabei das Berufsbildungsgesetz (BBiG) dar. Neben dem BBiG ist auch die Handwerksordnung (HWO) von Relevanz.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erlässt gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und gemäß der gesetzlichen Regelungen die verschiedenen Ausbildungsordnungen. Ausschlaggebend für die Erlassung von Ausbildungsordnungen sind die § 4 BBiG und § 25 HWO.

Jeder anerkannte Ausbildungsberuf in Deutschland darf nur nach einer solchen Ausbildungsordnung geregelt sein. Jugendliche unter 18 Jahren dürfen ansonsten keinen anderen Ausbildungsberuf absolvieren.

Die Ausbildungsordnung im Einzelhandel

Für Sie als Einzelhandelskauffrau bzw. Einzelhandelskaufmann werden alle wichtigen betrieblichen Ausbildungsschritte in der Ausbildungsordnung für den Einzelhandel festgehalten. Verkäuferinnen und Verkäufer orientieren sich an derselben Ausbildungsordnung wie die Einzelhandelskauffrauen/Einzelhandelskaufmänner. In beiden Berufsbildern wird eine sehr ähnliche betriebliche Ausbildung absolviert.

Offiziell nennt sich die Ausbildungsordnung für Einzelhandelskauffrauen bzw. -kaufmänner und Verkäuferinnen und Verkäufer Verordnung über die Berufsausbildung in dem Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel.

Den Kern der Ausbildungsordnung im Einzelhandel bildet für Sie als Einzelhandelskauffrau/Einzelhandelskaufmann die Auflistung der Fähigkeiten und Kenntnisse, die Sie in Ihrer Betriebsausbildung erlernen. Im Folgenden haben wir die einzelnen Inhalte Ihrer Betriebsausbildung für Sie zusammengestellt:

1. Der Ausbildungsbetrieb:
1.1 Bedeutung und Struktur des Einzelhandels
1.2 Stellung des Ausbildungsbetriebes am Markt
1.3 Organisation des Ausbildungsbetriebes
1.4 Berufsbildung, Personalwirtschaft, arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften
1.5 Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
1.6 Umweltschutz

2. Information und Kommunikation:
2.1 Informations- und Kommunikationssysteme
2.2 Teamarbeit und Kooperation, Arbeitsorganisation

3. Warensortiment

4. Grundlagen von Beratung und Verkauf:
4.1 Kunden- und Dienstleistungsorientiertes Verhalten
4.2 Kommunikation mit Kunden
4.3 Beschwerde und Reklamation

5. Servicebereich Kasse:
5.1 Kassieren
5.2 Kassenabrechnung

6. Marketinggrundlagen
6.1 Werbemaßnahmen
6.2 Warenpräsentation
6.3 Kundenservice
6.4 Preisbildung

7. Warenwirtschaft:
7.1 Grundlagen der Warenwirtschaft
7.2 Bestandskontrolle
7.3 Wareneingang, Warenlagerung

8. Grundlagen des Rechnungswesens
8.1 Rechenvorgänge in der Praxis
8.2 Kalkulation

9. Einzelhandelsprozesse

10. Eine im Ausbildungsvertrag festzulegende Wahlqualifikationseinheit aus der Auswahlliste
gemäß Abs. 2

11. Drei im Ausbildungsvertrag festzulegende Wahlqualifikationseinheiten aus der Auswahlliste gemäß Absatz 3, wobei mindestens eine Wahlqualifikationseinheit, aus den Nummern 1 bis 3 dieser Auswahlliste festzulegen ist.

(2) Die Auswahlliste nach Absatz 1 Nr. 10 umfasst folgende vier Wahlqualifikationseinheiten:

1. Warenannahme, Warenlagerung:
1.1 Bestandssteuerung
1.2 Warenannahme und –kontrolle
1.3 Warenlagerung

2. Beratung und Verkauf:
2.1 Beratungs- und Verkaufsgespräche
2.2 Umtausch, Beschwerde und Reklamation
2.3 Verhalten in schwierigen Gesprächssituationen

3. Kasse:
3.1 Service an der Kasse
3.2 Kassensystem und Kassieren
3.3 Umtausch, Beschwerde und Reklamation

4. Marketingmaßnahmen:
4.1 Werbung
4.2 visuelle Verkaufsförderung
4.3 Kundenbindung, Kundenservice

(3) Die Auswahlliste nach Absatz 1 Nr. 11 umfasst folgende sieben Wahlqualifikationseinheiten:

1. Beratung, Ware, Verkauf:
1.1 kundenorientierte Kommunikation
1.2 Konfliktlösung
1.3 Warenkenntnisse in zusätzlichen Warengruppen

2. Beschaffungsorientierte Warenwirtschaft:
2.1 Warendisposition
2.2 Sortimentsgestaltung
2.3 Verträge und Zahlungsbedingungen

3. Warenwirtschaftliche Analyse
3.1 Umsatzentwicklung
3.2 Leistungskennziffern der Warenbewegung
3.3 Bestandsführung

4. Kaufmännische Steuerung und Kontrolle:
4.1 Kosten- und Leistungsrechnung
4.2 Steuerung mittels Kennziffern
4.3 Preisgestaltung
4.4 betriebliche Erfolgsrechnung

5. Marketing:
5.1 Verkaufsförderung
5.2 Standortmarketing
5.3 Zielgruppenmarketing

6. IT-Anwendungen:
6.1 elektronische Geschäftsabwicklung
6.2 Datenbanken
6.3 Optimierung der Warenwirtschaft
6.4 Benutzerunterstützung

7. Personal
7.1 Selbstverantwortung und Motivation
7.2 Führen mit Zielen
7.3 Selbst- und Zeitmanagement
7.4 Kommunikation
7.5 Personalentwicklung
7.6 Personaleinsatz

(4) Die Fertigkeiten und Kenntnisse der Qualifikationseinheit „Grundlagen unternehmerischer Selbstständigkeit“ gemäß Anlage 2 Abschnitt IV können ergänzend zu den Fertigkeiten und Kenntnissen der Absätze 1 bis 3 vermittelt werden. Diese Qualifikationseinheit ist nicht Gegenstand der Abschlussprüfung gemäß § 15.

Wer macht die Ausbildungsordnungen im Einzelhandel?

An der Entwicklung von Ausbildungsordnungen sind in der Regel mehrere Parteien beteiligt. Eine Modernisierung des Ausbildungsberufs oder die Entwicklung eines komplett neuen Berufs wird normalerweise von unterschiedlichen Institutionen durchgeführt. Zuständig hierfür sind Fachverbände, Organisationen der Arbeitgeber, Gewerkschaften oder das Bundesinstitut für Berufsbildung.

Erst wenn alle relevanten Parteien angehört wurden, entscheidet das jeweilige Bundesministerium. Es entscheidet in Absprache mit den Bundesländern über die Aufnahme des neuen Berufs bzw. über die Modernisierung eines alten Berufs.

Generell sind somit an jeder Entwicklung von neuen Ausbildungsordnungen zugleich der Bund, die Länder, die Gewerkschaften, Arbeitgeber und die Berufsbildungsforschung beteiligt. Auch gilt dieses geregelte Verfahren für jede neuartige Anpassung an schon vorhandene Ausbildungsvorschriften, die sich einer veränderten Berufspraxis orientieren muss.

Die allgemeinen Inhalte einer Ausbildungsordnung

In § 5 BBiG und § 26 HwO sind bestimmte Mindestanforderungen formuliert, die in jeder Ausbildungsordnung enthalten sein müssen. Zu diesen notwendigen Inhalten gehört:

1)    Eine Angabe über die Dauer der Ausbildung. In aller Regel wird die Ausbildungszeit in einem Rahmen von 24 – 36 Monaten definiert. Weniger als 2 Jahre sollte eine Ausbildung generell nicht dauern.
2)    Die Bezeichnung des anzuerkennenden Ausbildungsberufs.
3)    Eine Erklärung des Berufsbildes. Im Zentrum der Erklärung steht dabei eine Überblicksdarstellung über die verschiedenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten, die Sie während der Ausbildung erlernen.
4)    Das Formulieren eines Ausbildungsrahmenplans. In diesem Rahmenlehrplan wird eine detailliertere Beschreibung des Berufes vorgenommen, sowie ein zeitlicher Überblick über den Ablauf der Ausbildung gegeben.
5)    Das Festhalten der jeweiligen Prüfungsanforderungen. Dazu gehört wesentlich die Bestimmung der Inhalte der verschiedenen Prüfungsschritte, d. h. der Zwischen- und Abschlussprüfung (bzw. der Gesellenprüfung).
6)    Die Erklärung über die vorhandenen Bestehensregelungen. Es werden die Kriterien erläutert, ab wann eine Prüfung als bestanden zu gelten hat und wann nicht.
7)    Eine Erklärung über das Führen des Berichtsheftes. Hier werden alle nötigen Informationen gegeben, wie und wann man ein Berichtsheft zu führen hat. Ebenso wird erklärt, wann der Ausbilder das Berichtsheft zu kontrollieren hat.

Kernfunktionen einer Ausbildungsordnung

Alle relevanten Aspekte einer Berufsausbildung werden durch eine solche Ausbildungsordnung geregelt. Eng damit verknüpft kann die Funktion damit folgendermaßen zusammengefasst werden:

1)    Sie dient als aller erstes als rechtsverbindliche und didaktische Grundlage für jeden Ausbildungsberuf.
2)    Sie ist zugleich die Grundlage für jede betriebliche Ausbildungsplanung.
3)    Ihr Ziel ist die Sicherung und Perfektionierung bundeseinheitlicher Ausbildungsstandards sowie der Prüfungsanforderungen.
4)    Sie stellt eine einheitliche und überprüfbare Kontrolle der betrieblichen Berufsausbildung dar.

Rahmenlehrplan und Ausbildungsrahmenplan als Teile der Ausbildungsordnung

Als ein Teil der neuen bzw. modernisierten Ausbildungsordnungen werden sogenannte Rahmenlehrpläne erstellt. In der Regel werden diese von den Sachverständigen der einzelnen Bundesländer konzipiert. Ein solcher Rahmenlehrplan gilt als konzeptionelle Grundlage für den Unterricht an den Berufsschulen.

Vom Rahmenlehrplan zu unterscheiden ist der sogenannte Ausbildungsrahmenplan. Dieser wird in Form eines Anhangs zur Ausbildungsordnung erstellt und regelt seinerseits den zeitlichen Ablauf der Ausbildung innerhalb des Betriebes. Auch stehen in einem solchen Ausbildungsrahmenplan die grundsätzlichen Ausbildungsinhalte. Er dient damit sowohl den Auszubildenden als auch den Ausbildern als allgemeine zeitliche Orientierung für den betrieblichen Ausbildungsplan.